
Der Zen-Abend am 14. November war für unsere Sangha ein besonderes Geschenk. Ute Wesky-Behmenburg vom Zenkreis Niederrhein führte uns durch eine Stunde voller Klarheit, Wärme und stiller Tiefe.
Ute ist Zen-Lehrerin in der Tradition des Rinzai-Zen, Nonne des ToGenJi-Tempels und Dharma-Nachfolgerin von Christoph Rei Ho Hatlapa Roshi. Ihr Weg in der Zen-Praxis prägt seit vielen Jahren zahlreiche Menschen im Zenkreis Niederrhein – und an diesem Abend auch unsere Sangha.
Schon während der ersten Sitzrunde war spürbar, dass Menschen aus zwei Gemeinschaften zusammenkamen. Mehrere Praktizierende aus dem Zenkreis Niederrhein waren anwesend, und gemeinsam mit unserer Sangha entstand eine Atmosphäre, die fast von selbst trug – ruhig, offen und zugleich vertraut.
Wir begannen gemeinsam mit einer 25-minütigen Sitzrunde in Stille. Anschließend hielt Ute ein Teishō, das einen weiten Bogen spannte: von der Bedeutung der Koan-Arbeit über die Sicht der wechselseitigen Durchdringung aller Erscheinungen bis hin zur Entwicklung von Mitgefühl aus der Erfahrung der Verbundenheit.
Ute führte zunächst in die Grundlagen der Koan-Praxis des Rinzai-Zen ein. Koans – klassische Lehrgeschichten oder paradoxe Situationen – dienen hier nicht der intellektuellen Lösung, sondern öffnen die Möglichkeit einer unmittelbaren Einsicht, jenseits des gewohnten Denkens. Dabei ging sie auch auf die traditionellen Koan-Sammlungen ein und zeigte, wie Koans in der eigenen Übung „in der Leibesmitte“ gehalten werden, um innere Reifung zu ermöglichen.
Von dort spannte sie den Bogen zum Diamantsutra, dessen Lehre der Leerheit und Nicht-Getrenntheit die Grundlage für das Verständnis aller Phänomene bildet. Mit dem Bild von Indras Netz verdeutlichte Ute die tiefe Verbundenheit aller Wesen – ein Geflecht, in dem jede Handlung, jede Regung, jedes Wort eine Wirkung auf das Ganze hat.
Ein weiterer Schwerpunkt ihres Vortrags war die Frage, wie Mitgefühl entsteht. Ute zeigte, dass echtes Mitgefühl aus dem Erleben der Allverbundenheit hervorgeht und nicht aus moralischer Anstrengung. Die vier Brahma-Viharas – liebende Güte, Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut – beschrieb sie als lebendigen Ausdruck dieses Verständnisses und als Wegweiser für das Handeln im Alltag und in der Gemeinschaft.
Besondere Bedeutung legte sie auf die Sangha als Ort des gemeinsamen Übens. Eine Sangha, so Ute, sei ein Feld, in dem Zugehörigkeit entstehen kann und in dem wir lernen, einander mit Güte und Achtsamkeit zu begegnen. In einer berührenden Geschichte über ein Kloster mit sechs Mönchen machte sie deutlich, wie eine liebevolle Haltung das Miteinander transformieren kann und wie jede einzelne Person zur Atmosphäre des Erwachens beiträgt.
Zum Abschluss ihres Vortrags erinnerte Ute daran, dass die Sangha selbst als der „nächste Buddha“ gilt – als eine Gemeinschaft, die Potenzial für Wandel in sich trägt. Jede Form der Übung, jede freundliche Handlung und jeder Moment der Verbundenheit können zu Frieden und Mitgefühl in der Welt beitragen.
Ihre Worte waren nicht nur erklärend, sondern fühlten sich wie geteilter Weg an – bodenständig, direkt und aus eigener Erfahrung gesprochen.
Im anschließenden Austausch zeigte sich, wie lebendig die Begegnung der beiden Gruppen war: Fragen wurden achtsam gestellt, Gedanken geteilt, und immer wieder schimmerte ein Gefühl von Gemeinsamkeit durch.
Mit einer zweiten Sitzrunde endete der Abend genauso still, wie er begonnen hatte – nur vielleicht etwas weiter im Herzen.
Wir sind dankbar für Utes Besuch und für die wundervolle Verbindung, die an diesem Abend zwischen dem Zenkreis Niederrhein und unserer Sangha spürbar wurde.
